Musik

Beirut in Paris

(Mit etwas Verspätung - das Konzert fand schon am Dienstag statt)

Beirut habe ich zuletzt 2007 gesehen - in San Francisco. Damals waren sie rückblickend gesehen, auf so etwas wie dem Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere: Das zweite Album The Flying Club Cup war gerade erschienen und knüpfte sehr schön an das erfolgreiche Debut The Gulag Orkestar an. Danach wurde es etwas ruhiger um die Band, was aber nicht heißt, dass sie all die Jahre untätig waren.

Mit der Veröffentlichung des mittlerweile fünften Albums No No No kamen Beirut auch mal wieder auf Tournee nach Europa. In Deutschland war allerdings nur ein Konzert angesetzt - in Berlin. Da war mir Paris dann einfach näher.

Beirut Ich bin immer wieder fasziniert davon, was Menschen alles mit zu einem Konzert nehmen. Riesige Rucksäcke, beispielsweise. Ein Mädel nutzte die Wartezeit vor dem Beginn offenbar dazu, einen Text zu lernen. Die Beleuchtung, um diesen im Halbdunkel lesen zu können, hatte sie auch gleich mitgebracht. Oder der Typ mit den riesigen Kopfhörern, die er nach dem Vorprogramm auch sofort wieder aufsetzte.

Das Vorprogramm war ein Musiker aus Brasilien, dessen Name ich leider nicht verstanden habe. Er sang zuerst a cappella und spielte dann Gitarre dazu. Ihm zur Seite stand ein gut gelaunter Mensch mit Bowler Hat, der alle möglichen und z.T. auch unmöglichen Schlag- und Rhythmus-Instrumente und -Gegenstände bediente. Da kam auch mal eine raschelnde Plastiktüte zum Einsatz oder eine leere Weinflasche. Zudem hatten die beiden Räucherkerzen mit auf die Bühne gebracht.

Nach der Umbaupause traten dann Beirut an - und legten mit Scenic World, gefolgt von Elephant Gun gleich mal mächtig los. Gleichzeitig wischten sie damit alle meine Bedenken zur Seite, denn von dem neuen Album war ich noch nicht so wirklich überzeugt und hatte befürchtet, dass es vielleicht zu sehr im Mittelpunkt stehen würde. Natürlich spielten sie auch Stücke davon, aber diese hatten live mehr Druck als auf der CD und vor allem kamen die alten "Kracher" eben nicht zu kurz.

Beirut Zur Besetzung: Die meiste Zeit über standen 6 Herren auf der Bühne. Zach und zwei Mitstreiter in der ersten Reihe stellten die Brass Section dar, was ja nun auch nicht gerade die normale Aufstellung für ein Pop-Konzert ist. Ich glaube, es gab an dem Abend nicht ein einziges Stück ohne Bläser-Einsatz zu hören, insofern war dieses Arrangement schon angebracht. Hinter den Bläsern tat noch ein Bassist seine Arbeit. Auf einem Podest in der Bühnenmitte war ein Schlagzeuger positioniert und links außen (vom Publikum aus gesehen) hatte sich noch ein Keyboarder verschanzt, der auch gelegentlich zum Akkordeon griff. Bei zwei Songs während des Hauptteils sowie zu den Zugaben kam dann als siebte Person und einzige Frau noch eine Geigerin auf die Bühne.

Die Stimmung war prächtig. Ab und an mal ein langsames Stück, aber dann folgte gleich wieder ein Stimmungsmacher. Immer, wenn man dachte, besser geht es nicht, setzten Zach & Co. doch noch einen drauf und packten aus dem mittlerweile ja recht umfangreichen Oeuvre noch einen fast vergessenen "Kracher" aus. Gefühlt am besten kamen wahrscheinlich Postcards from Italy an (eine Gruppe rechts von mir hatte vor Beginn extra dafür ein Banner vorbereitet) und Nantes. Aber auch sonst wurde jedes Stück begeistert gefeiert.

Nach einer gefühlt langen und ausgelassenen Party verließ die Band dann die Bühne. Es dauerte etwas, aber sie kamen dann brav zur Zugabe wieder - und legten noch einmal - jetzt zu siebt - vier Stücke drauf, bevor dann endgültig Schluss war.

Fazit: Tolles Konzert, super Stimmung, gerne wieder.

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