Low in der Manufaktur
Auf der Bühne der Schorndorfer Manufaktur stehen drei Musiker - zwei Männer und eine Frau am Schlagzeug. Moment, Yo La Tengo hatten wir dieses Jahr doch schon? Stimmt, das ist ja auch eine andere Band: Low.
Verwirrung herrscht auch bei der Beschreibung des Musikstils: Während die Stuttgarter Zeitung Nähe zum Folk sieht, werden Low an anderer Stelle gar als Wegbereiter des Dream Pop bezeichnet. Aber dann legen sie Alben wie etwa The Great Destroyer vor, die nicht einmal annähernd in eine dieser Kategorien passen. Vielleicht sollte sich die Band auch einfach in "Slow" umbenennen, denn die Langsamkeit ist die einzige Konstante in ihrem Gesamtwerk.
Die Manufaktur war gut gefüllt, jedoch nicht annähernd so sehr wie etwa bei Yo La Tengo. 20 Jahre sind Low jetzt schon im Geschäft und dies war ihr einziger Auftritt in Deutschland. Da hatte ich eigentlich mit mehr Andrang gerechnet.
Über der Bühne (und sogar über den Manufaktur-Schriftzug drapiert) hing eine Art Leinwand (eher ein großes weißes Stofftuch). Projiziert wurde dann aber doch über die ganze Bühnenbreite (und die Musiker) hinweg. Und zwar zuerst ein Countdown, der vor Beginn von 10 Minuten herunterzählte. Um die 3-Minuten-Marke herum begannen die Musiker einzutrudeln und ihre Instrumente zu stimmen. Zu Spielen begonnen haben sie zwar doch nicht ganz genau bei 0:00, eine nette Geste war es aber allemal.
Dass langsam nicht gleichbedeutend mit leise sein muss, demonstrierten Low schon beim zweiten Stück, "Canada". Wie überhaupt die wirklich ruhigen Stücke an diesem Abend eher die Ausnahme waren.
Meine Kenntnisse des Low-Oeuvres sind noch lückenhaft, aber ich habe doch die meisten Stücke wiedererkannt. Logischerweise gab es viel vom aktuellen Album The Invisible Way zu hören, aber auch ältere Stücke kamen, soweit ich das beurteilen konnte, nicht zu kurz.
Statt einer Lightshow wurde die Bühne mit einem Dauervideo beleuchtet. Dieses bestand aus hauptsächlich abstrakten Szenen - mal waren (unscharf) Menschen zu erkennen, mal Landschaften, mal zeigte eine längere Sequenz nur Schwenks über die Takelage eines Schiffes. Einen direkten Bezug zu den gespielten Stücken schienen die Videosequenzen nicht zu haben, aber ich nehme an, dass sie der Band auch zur Orientierung dienten.
Nach der ersten Zugabe war die Videoschleife dann zuende, die Band aber noch nicht. Ob geplant oder nicht, aber sie spielten auf Zuruf ohne viel Widerstand "Over the Ocean" (auch wenn Alan Sparhawk meinte, das sei schwer zu singen, wenn man alt sei). Und dann gab's zum Abschluss, passend, "i hear..goodnight".
Etwas über 90 Minuten haben Low gespielt und davon war keine Minute langweilig. Insofern also keine Beschwerden. Nur beim Thema Fan-Beziehungen hatte ich mir etwas mehr erwartet. Oder bin ich da mittlerweile zu sehr verwöhnt? So hatte ich eigentlich erwartet, dass die Band anschließend CDs signieren würde. Bei einem Event dieser Größenordnung ist das sehr wohl machbar, wie Yo La Tengo an gleicher Stelle bewiesen hatten. Aber auch, gerade erst letzte Woche, Youn Sun Nah sowie natürlich Amanda Palmer.
Ich hätte gerne ein paar Fragen zu den Videos gestellt und fand's schade. Da klingen die warmen Worte von der Bühne herunter im Nachhinein natürlich etwas hohl.