Musik

Cat Power in Karlsruhe

In Karlsruhe war ich dieses Jahr ja schon einmal gewesen, zur LearnTEC. Damals, wie auch überhaupt bei allen früheren Besuchen, habe ich aber nicht viel von der Stadt gesehen. Eine Gelegenheit das nachzuholen ergab sich in Form eines Auftritts von Cat Power, die zwar in den letzten Jahren ab und zu mal auf Tour war, aber nie so richtig in die Nähe von Stuttgart kam. Dann eben Karlsruhe.

Nach einem Tag mit schönen Wetter und viel Zeit rund um das Karlsruher Schloss ging es dann also zum Tollhaus, wo die "Zeltival" genannte Veranstaltungsreihe stattfindet, in deren Rahmen auch der Auftritt von Cat Power fällt. Das "Zelt" aus dem Festival-Namen ist allerdings dann doch eine ziemlich stabile und dauerhafte Konstruktion mit einem kleinen Zelt-Vorbau. Drinnen war bestuhlt bei freier Platzwahl, so dass beim Einlass ein Wettrennen um die besten Sitze einsetzte. Ich bekam noch einen am Rand der ersten Reihe.

Auf der Bühne stand ein Flügel, mit dem Sitz auf der von mir aus gesehen anderen Bühnenseite, sowie ein Notenständer und ein Doppelmikrophon in der Bühnenmitte. Angekündigt war ein Solo-Konzert und eine Vorband gab es auch nicht.

Pünktlich zum angekündigten Beginn um 20:30 Uhr wollte Chan Marshall, aka Cat Power, dann schon die Bühne betreten, musste dann aber erst noch einem Herrn vom Festival den Vortritt lassen, der sie ankündigte. Dann durfte sie endlich loslegen.

Cat Power Der Abend begann mit fünf Stücken, zu denen sie sich auf der E-Gitarre begleitete. Das erste Stück (er)kannte ich nicht, danach ging es aber mit bekannterem Material weiter. Es fiel auf, dass sie Applaus gar nicht eingeplant hatte - die Stücke gingen direkt ineinander über. Erst nach dem vierten Stück brauchte sie einen Moment zu lange, den das Publikum dann schnell für Beifall ausnutzte.

Nach der Eröffnung an der E-Gitarre wechselte sie an den Flügel und damit leider weitgehend aus meinem Blickfeld. Auch ging es mit der "Bloß keinen Applaus, bitte"-Taktik weiter. Das Publikum machte aber nicht mit und schaffte es immer mal wieder, welchen einzustreuen. Die Bühne war spärlich beleuchtet, das Publikum saß im Dunkeln und leider trugen auch die Stücke überwiegend nicht dazu bei, dass so etwas wie Stimmung aufkam. Mit anderen Worten: Es war doch etwas anstrengend, machte aber den Hauptteil des Auftritt aus. Hinzu kam, dass sie viele auch bekannte Stücke für den Flügel umgearbeitet hatte und zwar derart, dass ich sie oft nur am Text erkannte. Ich muss leider sagen, dass das den meisten Songs nicht gut getan hat und insgesamt geriet dieser Teil einfach zu eintönig und zu wenig abwechslungsreich.

Nach der sehr langen Einlage am Flügel griff Chan noch einmal zur E-Gitarre und spielte darauf weiter. Auch hier gab es einige Neubearbeitungen zu hören, die ich, wenn überhaupt, nur am Text erkennen konnte. Nach dem eh schon anstrengenden vorausgegangenen Teil half das nicht wirklich weiter.

Kurz vor 22 Uhr gab es dann Bewegung am Bühnenrand, wo zuerst ein, dann zwei Schatten auftauchten und damit wohl dezent darauf hinweisen wollten, dass man langsam zum Ende kommen sollte. Und so endete das Konzert kurz nach 22 Uhr, ohne großen Höhepunkt, aber unter lang anhaltendem Applaus. Eine Zugabe gab es nicht.

Mir fallen Vergleiche zu mehreren Konzerten ein. Mark Kozelek hatte vor einigen Jahren eine Phase, in der er nur mit einer Akustikgitarre auf Tournee ging und seine Stücke spielte (wovon es auch gefühlt unendlich viele Mitschnitte gibt). Der Effekt war ähnlich: Den meisten Songs tat diese Neubearbeitung nicht gut und es klingt alles sehr ähnlich. Ein Konzert, bei dem das Publikum im Dunkeln sitzt und nicht applaudieren kann, kann funktionieren, wie Laurie Anderson in Ludwigsburg demonstriert hat, aber es ist dann immer noch mehr Arbeit als Vergnügen. Der Sitzplatz war natürlich mein Problem, aber lange Passagen am Flügel mit schlechter Sicht (zumindest eines Teils des Publikums) müssen nicht anstrengend und eintönig sein, wie es Tori Amos vorgemacht hatte.

Alles in allem drängt sich mir also der Eindruck auf, dass die gute Chan sich mit diesem Konzept ein wenig übernommen hat. Der Anfang hat mir sehr gut gefallen. Gegen ein paar ruhige Stücke am Flügel hätte ich bestimmt auch nichts einzuwenden gehabt. Aber danach hätte einfach noch etwas passieren und vor allem mehr Abwechslung in die Show kommen müssen.

Ich gehe gerne noch einmal zu einem Konzert von Cat Power. Aber nur, wenn sie auch mit Begleitung antritt.

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