Musik

Wohnzimmerkonzert mit Black Swift

Ich habe ein Faible für kleine Konzerte entwickelt. Man ist näher dran, lernt neue Musik kennen und günstig sind sie auch noch. Was ich bisher noch nicht mitgemacht hatte, ist das wohl kleinste Format, das man noch "Konzert" nennen kann: Ein Auftritt in einem Wohnzimmer.

Im konkreten Fall hatte ich einen Hinweis von Sally Grayson aka Black Swift auf Twitter auf eine solche anstehende Veranstaltung gesehen. Man sollte über ein Webformular Interesse bekunden und bekam dann Zeit und Ort per E-Mail mitgeteilt.

Der Ort entpuppte sich dann als Studenten-WG in einem Hinterhof-Gebäude im Stuttgarter Westen. Von der Musikerin mit "Dich kenne ich doch?!" begrüßt zu werden, obwohl man sich noch nie wirklich persönlich begegnet ist, hat natürlich auch was. Sie hatte mich von meinem Profilfoto bei Patreon erkannt, wo ich einer ihrer aktuell noch viel zu wenigen "Patrons", also Unterstützer, bin.

Nach und nach trudelten noch mehr, hauptsächlich junge, Leute ein. Man unterhielt sich untereinander und mit Sally, vor allem in der WG-Küche. Eine Gruppe von fünf Leuten hatte sich noch angekündigt, ließ aber auf sich warten, so dass irgendwann beschlossen wurde, jetzt einfach anzufangen.

Aufgebaut hatten Sally und Schlagzeuger Matze im Flur, da das der größte Raum war. Es gab ganze vier Stühle zur Auswahl, so dass die meisten einfach auf dem Boden saßen oder an der Wand standen. Mit E-Gitarre und Verstärker machten Black Swift dann auch mächtig Dampf. Als Sally gegen Ende der ersten Hälfte zum Akkordeon griff, trudelte dann auch endlich die noch angekündigte Fünfer-Gruppe ein und brachte die Zahl der Zuschauer doch noch über das Dutzend.

Wie vorher abgesprochen, gab es dann erst einmal eine "Bierpause", bevor es weiterging. Musikalisch gab es natürlich vor allem Stücke vom aktuellen (und einzigen) Album The World Howls, aber auch eingestreute Coverversionen, neue und einen "alten, für Euch aber neuen" Song (ohne weitere Erklärung - sie hatte aber im Gespräch erwähnt, dass sie früher auch schon in einer Band in Baltimore gewesen war).

Natürlich hatte Sally auch CDs mitgebracht, sowie T-Shirts und Beispiele ihres künstlerischen Schaffens ("Was ist das?" - "Das ist Kunst."). Am Ende wurde ein Hut herumgereicht, in den jeder ein paar Euro werfen konnte und der Gastgeber bat um Spenden für die Getränke.

Womit wir auch bei dem Thema wären, über dass ich mit Sally kurz gesprochen und zufällig auch gerade die Tage wieder auf Twitter diskutiert habe: Die Frage, wie Musiker heutzutage angemessen für ihre Arbeit bezahlt werden können. Der klassische CD-Verkauf nimmt ab. Wenn man (wie hier) direkt an die Fans verkauft, verdient man zwar mehr pro CD, erreicht aber weniger Leute. Das populäre Streaming bringt zwar Reichweite aber praktisch kein Geld. Andere neue Finanzierungsmodelle wie Kickstarter oder eben Patreon funktionieren auch nicht immer. Wohnzimmerkonzerte wie dieses sind nur eine von vielen neuen Möglichkeiten, die man als Musiker eben ausprobieren muss. Man muss sehen, was für einen selbst und für die Fans funktioniert und was nicht. Eine schöne Zusammenfassung der Situation, auf die ich auch Sally verwiesen habe, hat Vanessa Peters letztes Jahr beim TEDxStuttgart gegeben: Making Music in the Age of Free.

Das Wohnzimmerkonzert mit Black Swift hat jedenfalls Spaß gemacht und sicher auch die Bindung zwischen Künstler und Fans gestärkt. Sally hat ihren nächsten Auftritt in Stuttgart am 17. Juni im Café Galào. Man sieht sich dort.

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Andere haben folgendes über 'Wohnzimmerkonzert mit Black Swift' geschrieben:

Black Swift im Café Galao - Dirks Hirnableiter
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[...] drei sehr unterschiedliche Auftritte mit unterschiedlicher Besetzung und in ganz unterschiedlichen Locations ( Wohnzimmer , Café Galao, Hotel-Lobby) und damit jedes Mal anders. Außerdem streut Sally immer auch wieder altes Material (von ihrer [...] [mehr]
Empfangen am Mittwoch, 30. September 2015, 10:04 Uhr

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