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"Happy" im Theater Rampe

Nachdem wir das letzte TEDxStuttgart dort veranstaltet haben (und auch das nächste veranstalten werden), war es höchste Zeit, uns im Theater Rampe auch mal eine "normale" Aufführung anzusehen. Zumal es die letzte Spielzeit von Intendantin Eva Hosemann ist, der wir es ja überhaupt erst zu verdanken haben, dass das TEDxStuttgart dort stattfinden konnte.

Und so fand sich der größere Teil des TEDxStuttgart-Teams gestern im Theater Rampe ein, um "Happy" von Doris Dörrie zu sehen.

Die Story ist auch schon verfilmt worden (unter dem Titel "Nackt") und diese Version ist wahrscheinlich auch besser bekannt. Für diejenigen, die den Film noch nicht kennen, hier eine möglichst spoiler-freie Kurzfassung:

Drei Pärchen haben sich zum gemeinsamen Abendessen (bei einem der Pärchen zuhause) verabredet. Zwar ist man irgendwie kreuz und quer befreundet, aber es wird auch viel gelästert und gekriselt. Irgendwann steht die Behauptung im Raum, dass sich Partner nicht erkennen können, wenn sie sich zwar berühren dürfen, dabei aber nicht sehen können. Das schlägt sich dann in einer Wette nieder, die einen überraschenden Ausgang hat und zu einer heftigen Krise führt.

Das Besondere an der Inszenierung im Theater Rampe ist nun, dass das Ganze nicht einfach auf einer Bühne gezeigt wird. Vielmehr wird das Publikum in drei Gruppen aufgeteilt. Zwei davon erleben in benachbarten Wohnhäusern, in richtigen Wohnungen, wie sich je eines der Pärchen auf den Abend vorbereitet. Für die dritte Gruppe war im Theater die Wohnung des gastgebenden Pärchens aufgebaut, wo sich dann auch die beiden anderen Pärchen und die ihnen folgenden Zuschauer schließlich einfanden.

Als Zuschauer fehlen einem durch diesen Kunstgriff dann sozusagen zwei Drittel der Vorgeschichte. Den Rest muss man sich aus Andeutungen und Kommentaren des beobachteten Pärchens sowie des gemeinsamen Teils des Abends zusammenreimen. Wenn also Charlene zu Boris sagt, dass er aussehe, als hätte er vor 10 Minuten noch Sex gehabt, weiß man, wenn man zuvor bei Boris in der Wohnung war, was wirklich passiert ist. Andererseits fehlt mir so aber die Hintergrund-Info zu der ausgesprochen finsteren Miene, die Charlene aufsetzt, als sie das Essen auftischt. Andere Hinter-(har, har)-Grundinfos werden dann aber auch noch so verkündet, dass alle Zuschauer sie mitbekommen.

Nach der großen Krise teilt sich Handlung wieder auf. Die drei Pärchen ziehen sich jeweils in einen Teil der Bühnendeko zurück, um die Situation zu diskutieren. Als Publikum wird man aufgefordert, aufzustehen und sich frei im Raum zu bewegen. So kann man zwischen den drei Pärchen hin- und herwechseln. Und auch hier muss man zwangsläufig wieder darauf verzichten, alles mitzubekommen. Man kann sich bestenfalls noch zwischen zwei Pärchen positionieren und mal hier und mal da hineinhören.

Über die Geschichte selbst kann man sicher geteilter Meinung sein. Der Aufhänger ist das Spielchen um die Frage, ob man seinen Partner auch noch blind erkennt - und was das wohl über die Beziehung aussagt. Damit es nicht zu kopflastig wird, sind auch noch diverse Klamaukszenen eingebaut (nicht zu vergessen die Kalauer, die Boris ständig vom Stapel lässt).

Als "normales" Bühnenstück wäre das Ganze wahrscheinlich tatsächlich etwas dröge geworden (den Film habe ich nicht gesehen). Aber durch die verteilte Inszenierung wurde es nicht nur aufgelockert, sondern man ist als Zuschauer auch geradezu gezwungen, genauer hinzuhören, damit man die fehlenden Teile rekonstruieren und zusammenpuzzeln kann.

Am Ende des Abends hat so wahrscheinlich jeder Zuschauer ein anderes Theaterstück gesehen.

(Alle noch anstehenden Aufführungen von "Happy" im Theater Rampe sind bereits ausverkauft. Es gibt aber wohl eine Warteliste und ich habe auch noch ein paar leere Stühle gesehen - Absagen in letzter Minute gibt es eben immer.)

Creative Commons Licence ""Happy" im Theater Rampe" by Dirk Haun is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Licence.

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Andere haben folgendes über '"Happy" im Theater Rampe' geschrieben:

Feuchter Abschied für Eva Hosemann im Theater Rampe - Dirks Hirnableiter
[...] gekommen bin ich zum ersten Mal, als wir dort das zweite TEDxStuttgart veranstalteten und später noch einmal, um dort Happy zu sehen. Dass ich den Namen vorher überhaupt gehört hatte, ist sicher aber der Person zu verdanken, deren Abschied [...] [mehr]
Empfangen am Samstag, 20. Juli 2013, 10:01 Uhr

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