Musik

Eels im Theaterhaus, oder: Der alte Mann, das junge Mädchen und die Clones des Herrn E.

Das erste, was mir im Theaterhaus begegnete, war ein Arbeitskollege. Selbiger, so hatte sich nachträglich herausgestellt, war auch schon auf dem gleichen Yo La Tengo-Konzert in Schorndorf gewesen. Heute stellte er sich mir als Hardcore-Fan der Eels vor. Sprach's und ließ sich auf der Tribüne nieder, während ich mich in Richtung Bühne orientierte. Hmm.

Der alte Mann

The Old Man gets the Blues Als Startzeitpunkt war 19:50 Uhr angekündigt - ungewöhnliche Uhrzeit. Zu diesem Zeitpunkt kam dann auch ein Herr auf die Bühne getattert. Alles Show, nehme ich an, aber er ließ sich tatsächlich von einem Roadie an seinen Platz am vorderen Bühnenrand führen (und auch wieder abholen). Seinen Namen habe ich nicht verstanden, aber er legte dann gleich mal, zuerst a cappella, dann mit Mundharmonika, einen ordentlichen Blues hin. Ob das jetzt ein oder zwei Stücke waren, ließ sich so genau nicht sagen, aber es war nicht schlecht.

Das junge Mädchen

Misty Miller Von dem anschließenden kurzen Gewusel auf der Bühne blieb dann ein blondes Mädchen übrig, die genauso gut zu den Roadies hätte gehören können: Verknitterte Jeans, Schlabber-T-Shirt, die blonden Haare in einem Pferdeschwanz gebändigt. Sie hätte 14, 16, oder auch 21 sein können - jedenfalls sieht sie ziemlich jung aus. Misty Miller, so ihr Name, ist 18 und spielte eine schnelle Folge von kurzen Songs, zu denen sie sich auf der E-Gitarre begleitete. Tolle Stimme, ordentlich laut, gar nicht schlecht.

Sie muss vielleicht noch lernen, den Applaus am Ende dann auch entgegen zu nehmen - sie hatte uns schon den Rücken zugekehrt und war damit beschäftigt, ihre Gitarre auszustöpseln, bevor sie, ohne Blick zurück, die Bühne verließ.

Der Auftritt der E-Clones

Eels Nach einer Umbaupause kamen dann nacheinander fünf Herren auf die Bühne. Alle mit Sonnenbrille, mehr oder weniger ausgeprägtem Vollbart und in dunkelblauen Trainingsanzügen. Wer wer war, ließ sich nur anhand der Position auf der Bühne ermitteln: Einer nahm hinter dem Schlagzeug (ungewöhnlich: aufgebaut am linken vorderen Bühnenrand) Platz, drei weitere Clones (einer mit Bass, zwei mit Gitarren) reihten sich im Hintergrund auf. Folglich war Clone Nr. 5 kein anderer als Mark Oliver Everett, besser bekannt als 'E'. Er hatte vorne rechts seine eigene Mini-Bühne.

Viele der Songs habe ich an diesem Abend nicht erkannt. Das liegt zum einen an meiner unvollständigen Kenntnis des Œuvres der Eels und zum anderen daran, dass mir eher die introvertierten Songs zusagen. Genau die gab es an diesem Abend aber nicht zu hören, wie ja auch schon das Setup erahnen ließ. Nichts war's mit den feinen melodischen Zwischentönen, deren Fehlen ein anderer Zuschauer später bemängeln sollte.

E strikes a pose Mit anderen Worten: Es war laut und direkt, aber keineswegs schlecht. Der Herr E scheint eine Vorliebe für abrupte Wechsel und falsche Enden zu haben und man war sich nie so recht sicher, ob seine Posen gespielt oder echt waren. Unterhaltsam war's allemal.

Zu-Zu-Zugabe

Nach zweimal zwei Zugaben ging das Licht an, die Crew stürmte die Bühne zum Abbau, das Konzert schien vorbei zu sein. Doch kaum hatte ich es im Trippelschritt bis zum Ausgang der Halle geschafft, kam hinter mir Jubel auf: Die Band kam noch einmal auf die Bühne und spielte, inmitten der herumwuselnden Crew, noch schnell zwei weitere Songs. Ob das geplant war oder nicht (wahrscheinlich schon, schließlich musste der Sound an dem Punkt ja noch funktionieren) - es kam gut an und setzte einen schönen Schlusspunkt.

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Empfangen am Mittwoch, 01. Januar 2014, 10:45 Uhr

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