Musik

Amanda Palmer und Edward Ka-Spel in Paris

(Das Konzert fand letzten Sonntag statt.)

Mein erstes Amanda-Palmer-Konzert ist jetzt fast genau vier Jahre her. Und da sie gerade wieder auf Tour ist und auch noch in der gleichen Location spielt wie damals (und Köln dieses Mal nicht auf der Liste steht), bin ich eben wieder nach Paris gefahren, um sie im La Cigale zu sehen.

Ein Picknick gab es dieses Mal nicht, aber Anne, die es damals organisiert hatte, war wieder dabei, trotz Babybauch. Und so fand ich mich gegen 18 Uhr in einer bunten Schlange vor dem La Cigale. Für Unterhaltung war auch gesorgt, in Form eines Mädels im goldfarbenen Outfit, die auf der Ukulele eigene Songs intonierte und gegen eine Spende "für den Bau eines Raumschiffs" kleine Päckchen mit "Snail Tea" und Download-Codes verteilte. Und niemand fand das besonders abgehoben. Zwischen den eher bunten AFP-Fans fanden sich dieses Mal auch vermehrt in Schwarz gekleidete Gestalten.

Edward & Patrick Letzteres erklärt sich dadurch, dass das Konzert angekündigt war als "Amanda Palmer & Edward Ka-Spel". Letzterer ist, Leser von Amanda's Buch werden sich erinnern, der Sänger der Band The Legendary Pink Dots und hat Amanda bei einem Gespräch nach einem Auftritt einmal ermuntert, ihren eigenen Weg zu gehen. Was sie dann ja auch gemacht hat und nun ging endlich ihr Wunsch nach einem gemeinsamen Album in Erfüllung.

Der Einlass ins La Cigale begann früher als angekündigt. Drinnen war alles leicht nebelverhangen und am Bühnenrand sammelten sich schon die Hardcore-Fans. An der Seite gab es auch Sitze, aber der Innenraum war, anders als zuletzt bei Yo La Tengo, unbestuhlt.

Das Goldene Mädel, das sich übrigens "Alfred Ladylike" nennt, hatte noch einmal einen kurzen Auftritt mitten in der Menge. Etwas später kam ein Mann auf die Bühne, erklärte, dass dies "literally" sein erster Auftritt überhaupt sei, und begann sitzend auf einer Ukulele einen Song zum Besten zu geben. Als der glücklich überstanden war (und er war nicht schlecht), kam Amanda mit einer Flasche Rotwein auf die Bühne, umarmte ihn, schenkte ihm ein Glas ein und genehmigte sich selbst einen Schluck aus der Flasche. Danach spielte er - seinen Namen habe ich natürlich nicht mitbekommen - noch drei Songs, allesamt Coverversionen: Etwas von Supertramp, Life On Mars von David Bowie und ein Stück von Camille, die wohl erst eine Woche vorher auf genau dieser Bühne gespielt hatte (ein Konzert von ihr steht auch noch auf meiner To-Do-Liste!). Das war's dann, denn das waren nach eigener Aussage wirklich alle Songs, die er spielen könne. Unter herzlichem Applaus (und nach einem Foto mit der Menge, bei dem wieder Amanda behilflich war), verließ er die Bühne.

Amanda Palmer Draußen waren es an diesem Sonntag schon 30 Grad gewesen und drinnen waren die Temperaturen auch schon nicht mehr angenehm. Aber beim letzten Mal war's hier ja ähnlich gewesen und zum Glück ist auch niemand umgekippt, soweit ich das mitbekommen habe.

Kurz nach 20 Uhr hatte das Warten dann ein Ende und Amanda und Co. betraten die Bühne. Neben Edward Ka-Spel kam noch ein Geiger dazu, Patrick Q. Wright, der auch bei den Legendary Pink Dots spielt. Amanda nahm am Keyboard Platz, Edward hatte einen Laptop und ein anderes Gerät vor sich, das ich von meiner Position aus nicht genau einordnen konnte - eher ein Effektgerät als ein Keyboard.

Das gemeinsame Album "I Can Spin a Rainbow" klingt doch sehr anders als das typische Amanda-Palmer-Album. Es ist verspielter, hat Anwandlungen eines Konzeptalbums und wurde in Rezensionen schon als "Goth" umschrieben. Man durfte gespannt sein, wie das auf der Bühne klingen würde.

Um es kurz zu machen: Amanda und Edward haben an diesem Abend praktisch das komplette Album gespielt. Die Umsetzung war durchaus gelungen. Etwas kurz kamen so aber die "üblichen" Songs, die aber auch nicht so wirklich ins Programm gepasst hätten. Ein bisschen Dresden Dolls ließ sich da leichter integrieren und Amanda's "Machete" passte auch ganz gut rein.

Full Band Photo Mit dem neuen Album muss ich erst noch warm werden. Mir ist es zu kopflastig, und die Show fiel auch entsprechend aus, mit einer Gestik und Inszenierung, die man von Amanda so nicht gewohnt ist. Der gute Edward wirkte gelegentlich auch leicht unbeholfen. Die "normalste" Person auf der Bühne war da noch Patrick, der Geiger, der immer ein leicht amüsiertes Lächeln auf den Lippen hatte.

Das liest sich jetzt negativer, als es gemeint ist. Es war eben nicht die übliche Amanda Palmer "figuring shit out as I go along"-Show, sondern bewusst inszeniert und dadurch etwas steifer als gewohnt. Trotzdem gab es zwischendrin immer mal wieder Anekdoten und Publikumsinteraktion, nur eben etwas weniger als sonst. Und es war ja nicht so, dass man sich zwei Stunden gelangweilt hätte. Hier und da war es etwas anstrengend und vielleicht nicht unbedingt die richtige Show für die Temperaturen, aber das Wetter kann man ihr wohl kaum anlasten.

Erwähnt werden soll noch der vierte Musiker, Alexis, der zu einigen Songs dazu kam und diese mit einer "Singing Saw" bereicherte. Gesteuert wurde deren Sound über ein Paar High-Tech-Handschuhe, die die Musikerin Imogen Heap entwickelt hat, in deren Studio das Album auch aufgenommen wurde. Leider ging die Säge bei den meisten der Stücke etwas unter.

Nach dem regulären Teil dauerte es etwas, bis sich die Musiker wieder herbeiklatschen ließen, aber dann gab es noch drei Zugaben. Mit einer grandiosen Version von "Half Jack" wurden wir dann nach Hause geschickt.

(Mehr Fotos auf Flickr)

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