Musik

Vanessa Peters in persona

Tja, so richtig kann ich es ja immer noch nicht glauben, doch es ist tatsächlich so passiert: Da stoße ich im Web (bei eMusic natürlich, wo sonst?) auf die Musik einer gewissen Vanessa Peters, komme eher zufällig mit ihr in E-Mail-Kontakt und lasse, halb im Scherz, die Bemerkung vom Stapel, ob sie nicht mal in Stuttgart auftreten wolle. Und knapp acht Monate später ist sie tatsächlich da, praktisch nur auf diese E-Mail hin.

Mit der Rolle als "Konzertveranstalter" wäre ich wahrscheinlich vollkommen überfordert gewesen, aber zum Glück konnte sich Wolfgang auch für ihre Musik erwärmen und übernahm die organisatorische Ausgestaltung. Ohne ihn wäre das ganze wahrscheinlich entweder gar nichts geworden, oder hätte in einem Fiasko geendet ...

So wurden es dann drei erfreuliche und unvergessliche Tage, was vor allem auch an der Hauptdarstellerin lag. Vanessa ist eine freundliche, liebe und fröhliche junge Amerikanerin mit vollkommen vernünftigen Ansichten und verkörpert so ziemlich alles, was eine andere prominente Person aus Texas eben gerade nicht ist. Sie dürfte in dieser kurzen Zeit die Ansicht so manches deutschen Mitbürgers über "die Amerikaner" positiv beeinflusst haben. Vielleicht sollte sie ein gewisser Präsident zur Botschafterin ernennen ...

Technische Problemchen wie nicht funktionierende Handys, Digitalkameras und klemmende Haustüren konnten die Stimmung ebensowenig trüben wie leichte Sorgen um ihre Stimme (sie musste am vorausgegangenen Wochenende einen Auftritt absagen, weil sie keinen Ton mehr herausbrachte). Dafür gab es auf zwischenmenschlicher Ebene überhaupt keine Probleme - alle, die ihr begegneten, waren sofort und gerne bereit ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie wurde überall mit offenen Armen empfangen. Irgendwie hat ihre erfrischende Art auch auf meine Mitmenschen abgefärbt.

Ach so, ja, das eigentliche Konzert: Das Cafe Stella in Stuttgart hatte uns netterweise die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Probleme mit dem Equipment wurden schnell gelöst - soweit also alles bestens. Am Ende hatten wir dann immerhin 22 zahlende Besucher. Für ein kurzfristig angesetztes Konzert mitten im Stuttgarter Sommerloch kann man wahrscheinlich nicht wirklich mehr erwarten, zumal Vanessa gegen Olympia und die deutsche Fußballnationalmannschaft (erstes Spiel mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann!) antreten musste ...

Vanessas Stimme hielt dann auch die kompletten anderthalb Stunden durch (von einem Huster mitten in einem Song einmal abgesehen). Und das Publikum konnte sich, wie es schien, doch auch recht schnell für ihre Musik erwärmen. Immerhin kannte ja kaum jemand ihre Songs (woher auch?). Mit ihrer lockeren Art hatte Vanessa das Publikum sowieso bald im Griff, kleinere Quizeinlagen (Ich spiele jetzt eine Coverversion und ihr dürft dann raten, von wem das Original ist) inbegriffen. Eine Zugabe musste sie dann auch noch geben, was sie sichtlich überraschte.

Zu hören gab es etwa je zur Hälfte Songs von ihrem Album "Sparkler sowie von ihrer neuen CD, die sie Ende des Jahres aufnehmen will, wenn bis dahin genug Geld für die Produktionskosten zusammengekommen ist. Ergänzt wurde das Programm um einen Titel von ihrer vergriffenen EP "Mirabilandia" und die erwähnten Coverversionen (um das Rätsel aufzulösen: Eine war von Fleetwood Mac, die andere von The Cure(!)). Die Bühnenerfahrung war ihr anzumerken und trotzdem kam alles erfrischend natürlich und ehrlich rüber. Wenn diese Frau nicht bald zu einer der ganz großen im Business gehört, dann verstehe ich die (Musik-)Welt endgültig nicht mehr ...

Manöverkritik (Notes to self), fürs nächste Mal:

  • Für Konzertankündigungen nicht auf Mundpropaganda verlassen.
  • Um mehr als anderthalb Zeilen in die Zeitung zu bekommen braucht man offenbar Connections.
  • In Stuttgart muss so etwas ins Stadtmagazin "Lift" (wir hatten die Lift-Ausgabe für August benutzt, um einen Termin zu finden, an dem wir nicht mit zu vielen anderen Veranstaltungen kollidieren würden).
  • Und vor allem: Nicht an einem Abend, an dem die Nationalmannschaft spielt.

Nun ja, jetzt wissen wir, was wir falsch gemacht haben - beim nächsten Mal wird alles besser. Wolfgang plant ja schon halbe Deutschlandtourneen, ich wäre mit einem Wiedersehen im nächsten Jahr schon vollkommen zufrieden - dann auch vielleicht mit ihrer (italienischen) Band.

Ich denke, dass Vanessa Peters in diesen drei Tagen viele Freunde und bestimmt auch ein paar Fans gewonnen hat und alle würden sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freuen. Vanessa, thank you so much for being here!

Der obligatorische Link zu ihrer Homepage darf am Ende natürlich nicht fehlen: www.vanessapeters.com

Creative Commons Licence "Vanessa Peters in persona" by Dirk Haun is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Licence.

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