Musik

Kristin Hersh & The McCarricks

Schon seit Januar habe ich mich auf das Konzert von Kristin Hersh gefreut. Und, um das vorweg zu nehmen, ich wurde auch nicht enttäuscht.

Da kann auch der peinliche Fünfzeiler der Stuttgarter Zeitung unter dem Bild von Kristin die Vorfreude nicht wirklich trüben. Obwohl es natürlich schon eine Leistung ist, in einer so kurzen Bildunterschrift gleich drei Fehler unterzubringen (die Throwing Muses haben "sanften Alternativ Pop" gemacht???) ...

Interessant war zudem die Frage, wie sich Mrs. Hersh denn nun präsentieren würde: Solo, mit Band, oder wie? Die Ankündigung gab keine weitere Information dazu, aber vor Ort stand dann zu lesen, dass The McCarricks im Vorprogramm spielen würden. Dabei handelt es sich um das Streicherduo, das auch auf Kristins aktuellem Album mitspielt. Wie sich herausstellte, gab es auch noch eine Band, nämlich im Prinzip 50 Foot Wave (so wurden Bassist und Schlagzeuger später vorgestellt). Und das gepaart mit einem Streicherduo - spannend.

Doch zurück zu den McCarricks. Auf der Bühne stand eine Leinwand, links und rechts davon je ein Stuhl, auf dem die beiden Platz nahmen. Was nun folgte, fällt wohl eher unter Kunst denn unter U-Musik. Im Prinzip haben The McCarricks dann nämlich Kurzfilme vertont. Vom Band kamen noch Percussion und ggfs. elektronische Effekte, Geige (Kimberlee) und Cello (Martin) waren live. Die Kurzfilme waren alle mehr oder weniger abstrakt: Von weißen Strichzeichnungen auf blauem Hintergrund, über Menschen im Vor-/Rückwärtsgang zu Spielszenen à la Alice im Wunderland war alles vertreten. Tja, was soll ich sagen - in der Pause vor Kristins Auftritt habe ich mir dann schnell noch das ausgelegte Mini-Album der McCarricks gekauft ...

Kristin Hersh begann ihren Teil des Abends mit drei Stücken vom aktuellen Album Learn To Sing Like A Star. Alles fast perfekt rübergebracht (auch dank tatkräftiger Mithilfe der McCarricks), aber irgend etwas fehlte. Richtig erklären kann ich es auch nicht, aber erst, als Kristin zum vierten Song die Gitarre wechselte (von E- zu Akustik-) und eine Anekdote zur Entstehung von The Gazebo Tree zum besten gab, machte es richtig "Klick" zwischen Publikum und Musikern und der Rest des Abends verging wie im Flug.

"September ..." (Jubel) - ja, im zu gut zwei Dritteln gefüllten Saal stellten die hardgesottenen Kristin-Hersh-Fans den größten Teil des Publikums, die auch die eingestreuten älteren Stücke sofort erkannten. Den Hauptteil des Programms bildeten zwar die Stücke vom aktuellen Album, aber es gab eben auch älteres - bekanntes wie weniger bekanntes - Material zu hören. Schön war z.B. auch Your Ghost, bei dem die Abwesenheit von Michael Stipe kurzerhand zum Merkmal erhoben wurde: Der Schlagzeuger, der bei anderen Songs die Backing-Vocals beisteuerte, schwieg sich hier aus.

Nach den obligatorischen geplanten Zugaben musste Kristin Hersh anschließend noch zweimal antreten - das Publikum konnte einfach nicht genug bekommen. Nach den beiden akustischen Zu-Zugaben war dann aber endgültig Schluss. Freude und Erschöpfung dürften wohl beiderseitig gewesen sein ...

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Andere haben folgendes über 'Kristin Hersh & The McCarricks' geschrieben:

Throwing Muses in London - Dirks Hirnableiter
[...] das im September jetzt gleich zwei Mal kurz hintereinander passiert ist, ist Zufall. Kristin Hersh war zuletzt 2007 in Stuttgart und seither m.W. nicht einmal mehr in Deutschland. Als dann eine Tour der Throwing Muses angekündigt wurde, noch [...] [mehr]
Empfangen am Sonntag, 28. September 2014, 21:31 Uhr

Kristin Hersh & The McCarricks | 0 Kommentar(e) | Neuen Account anlegen
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