Musik

Camille à Salle Pleyel (Paris)

Zu Camilles Album "Camille live au Trianon" hatte ich ja schon alles gesagt. Nun war es endlich an der Zeit, sie auch mal tatsächlich live auf der Bühne zu erleben.

Camille à Salle Pleyel, Paris Um Punkt 20 Uhr ging im Salle Pleyel das Licht aus. Die Reihen vor mir waren da noch recht schwach besetzt und auf der Bühne war einiges verhüllt, aber es gab ja auch erst einmal nur das Vorprogramm. Ein junger Mann, der sich erst nach dem dritten Song vorstellte und dessen Name ich prompt wieder vergessen habe, spielte auf dem Elektro-Piano und einer akustischen Gitarre eine Reihe Stücke und sang dazu in Englisch. Gar nicht mal schlecht.

Danach wurde eine zwanzigminütige Umbaupause angekündigt. So wusste man, woran man ist und konnte sich noch kurz die Beine vertreten. Leider ist so eine Ansage bei Konzerten ja eher nicht die Norm.

Dann endlich. Überraschenderweise stand auf der Bühne eine Gestalt, die von einem blauen Tuch komplett verhüllt war. Ist sie das nun oder nicht? Während des ersten Stückes konnten wir nur raten - wir hörten Camille zwar singen, aber sehen konnten wir sie unter dem Tuch nicht. Überhaupt waren Ver- und Enthüllung, Stofftücher und die Farbe Blau wichtige Elemente an diesem Abend. Nach dem ersten Stück kamen dann Camilles Kopf und ein Arm unter dem blauen Tuch hervor. Der andere Arm blieb verhüllt und wurde benutzt, um das Tuch beim nächsten Stück effektvoll herumzuwirbeln.

Vom Sound her fühlte man sich zeitweise ein wenig an diese japanischen "Tao"-Drumshows von vor einigen Jahren erinnert. Im Hintergrund stand auf der Bühne eine große aufrechte Trommel, die auch als Projektionsscheibe für den Mond herhielt und die nur nach und nach enthüllten Instrumente waren überwiegend Percussions: Eine Art Schlagzeug-Wand und ein üppig ausgestattetes zweites Schlagzeug, dazu ein Piano und ein Keyboard. Drei Herren kümmerten sich um die Instrumente, drei Damen waren die Background-Sänger und Tänzer. Aber auch die Herren mischten gelegentlich mit, stimmlich wie tänzerisch. Und natürlich waren alle in blau gekleidet.

Camille à Salle Pleyel, Paris Das große blaue Tuch, dem sich Camille irgendwann entledigte, nur um darunter ein blaues Kleid zu enthüllen, kam im Laufe des Abends vielfach zum Einsatz. Es diente als Leinwand für Schattenspiele, hielt die Tänzer zusammen und einmal drapierte Camille sich damit auf einem Podest, als eine Art blaue Version der Freiheitsstatue. Während "Fille à Papa" wurde Camille dann zur Abwechslung mal in eine Art weißes Hochzeitskleid gehüllt. Danach verschwand sie kurz hinter der Bühne, um dann in einem roten Hosenanzug wieder zu erscheinen, den sie den Rest des Konzertes über trug.

Fürs Auge war hier also einiges geboten. So eine Art durchchoreografierter Show hatte ich eigentlich nicht erwartet. Es funktionierte aber und Camille schaffte es trotz allem, nicht den Kontakt zum Publikum zu verlieren, wie das bei anderen aufwändigen Shows manchmal der Fall ist, die dann Gefahr laufen, reiner Selbstzweck zu sein.

Schön zu sehen, wie Camille das Publikum immer wieder mit einbezog und es schaffte, mit einfachen Gesten klar zu machen, was sie von uns erwartete. Zu Beginn dessen, was schließlich "Ta Douleur" werden sollte, saß sie etwa auf dem Boden und improvisierte etwas ins Mikrophon, das sie dann, ohne hinzusehen, in Richtung Publikum hielt. Allen war klar: Wir sollten das nachmachen. Dann wieder sie, dieses Mal mit etwas reichlich Komplexem. Mikro in Richung Publikum: Lachen. Das sollen wir nachmachen??? Und die Meisten versuchten es tapfer trotzdem. An zwei Stellen durfte auch ein Teil des Publikums auf die Bühne. Einmal zu einem kleinen Tanzspielchen und dann noch einmal zur ersten Zugabe, bei der sie mit dem Namen der Location improvisierte.

Camille à Salle Pleyel, Paris     Drumming     Audience Choir

Finis Lange anhaltenden Beifall hatte es vor der Zugabe natürlich schon gegeben. Nach dem Publikums-Chor gab es dann noch eine ruhigere Solo-Zugabe, bei der Camille mit einem weiteren Tuch spielte, unter Zuhilfenahme einer Windmaschine und roter Beleuchtung. Am Ende ließ sie das Tuch einfach davonschweben und verschwand.

Fazit: Nicht das, was ich erwartet hatte, aber im positiven Sinn. Statt eines "normalen" Konzerts bekamen wir eine stimmig choreografierte Show zu sehen, die mit einfachen Mitteln tolle Effekte zeigte und nie überfrachtet wirkte oder das Publikum außen vor ließ. Dies war die dritte von drei aufeinander folgenden Shows in der gleichen Location und ein bisschen habe ich es schon bedauert, nicht gleich zwei Nächte gebucht zu haben. Aber es wurde gefilmt, also vielleicht kann man das Ganze dann demnächst irgendwo und irgendwie nochmal sehen.

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