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TEDxZürich

Bei zwei TEDxStuttgart war ich jetzt schon in die Organisation involviert und auch beim drittten, das am 26. November stattfindet, bin ich wieder dabei - aber bei einem anderen TEDx war ich noch nicht gewesen. Höchste Zeit also, das endlich mal nachzuholen.

Zwei Teamkollegen waren letztes Jahr schon beim TEDxZürich (bzw. TEDxZurich - die Kollegen dort lassen die Pünktchen kurzerhand weg) gewesen und waren recht angetan. Und so schlugen wir dieses Jahr zu dritt dort auf.

Das Umfeld

Vorweg muss man erwähnen, dass es ein dickes Regelbuch darüber gibt, wie man eine TEDx-Veranstaltung abzuhalten hat. Ein wichtiger Punkt darin ist die Größe: Es gibt eine "kleine" Lizenz (beschränkt auf 100 Teilnehmer) und eine "große", ohne Limitierung. Die Kollegen in Zürich haben die große Lizenz, was dann auch ganz andere Möglichkeiten eröffnet.

Den größten Bonus haben die Züricher ohne Zweifel aber mit der Location: Ein Studio des Schweizer Fernsehens, komplett mit richtigen Fernsehkameras.

Nicht nur was die Räumlichkeiten und die Zuschauerzahlen angeht, ist TEDxZürich eine oder zwei Stufen höher angesiedelt. Auch bei der Anzahl der Redner macht sich dies bemerkbar: 17 Namen standen auf dem Programm. Dafür stand dann auch ein ganzer Tag zur Verfügung (Beginn um 9 Uhr, Ende gegen 17 Uhr).

Ich will jetzt gar nicht alle 17 Speaker durchhecheln. Die Mischung war recht bunt, inkl. zweier Musik- und einer Akrobatik-Einlage. Die Themen reichten von eher persönlich (Motivation, Träume verwirklichen) über Technik (Roboter, Big Data), Medizin (Gewebe, Chirurgie) bis hin zu Moral und Philosophie. Also ziemlich genau das Themenspektrum, das man von einem TEDx-Event erwarten würde. Alle Talks waren übrigens in Englisch.

Meine Highlights

Mich haben vor allem drei Talks begeistert:

Sean Dromgoole überraschte alle mit harten Worten für die anwesenden Marketing-Menschen - nur um dann zu enthüllen, dass dies Zitate des von ihm sehr geschätzten Bill Hicks waren. Was den guten Sean, selbst ein Marketing-Mensch, dazu animierte, via den Umweg Plato und Sokrates zu versuchen, zu einer neuen Definition von Marketing zu kommen. Sehr unterhaltsam, trotzdem nicht flach, wenn auch vielleicht am Ende etwas sehr knapp in Bezug auf die angestrebte Definition.

Gerd Gigerenzer lieferte, meiner Meinung nach, einen praktisch perfekten Talk ab. Komplett ohne Folien argumentierte er stringent, nachvollziehbar und mit klaren Beispielen für seine Überzeugung, dass die Menschen "Risk Literacy" lernen müssten. Gemeint ist die Fähigkeit, Risiken richtig einschätzen zu können, z.B. dadurch, dass man die vorgelegten Zahlen auch mal hinterfragt und absolute sowie relative Werte vergleicht ("100% mehr" kann eben auch bedeuten, dass es nun zwei statt nur einen Fall unter 7000 gibt).

Ian Livingstone setzte einen guten Schlusspunkt. Der "Onkel" von Lara Croft argumentierte engagiert gegen das schlechte Image von Computerspielen, ausgeschmückt mit Anekdoten und Highlights aus seiner eigenen Karriere und der Geschichte der Spiele allgemein (auch Schach, so haben wir dabei gelernt, wurde schon verlacht und mit ähnlichen Argumenten kritisiert).

Beobachtungen

Da wir natürlich auch ein bisschen zum "spionieren" gekommen waren, hier noch kurz ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind:

Der Raum war flach bestuhlt, so dass man aus den hinteren Reihen wahrscheinlich wenig von der Bühne sehen konnte. Pech konnte man aber auch weiter vorne haben, etwa wenn der Hinterkopf eines etwas größeren Zuschauers im Weg war. Um dies zu kompensieren, wurden die Speaker live auf eine Leinwand über der Bühne übertragen. Gleichzeitig musste diese Leinwand aber auch für die Folien der Talks herhalten, was dann gelegentlich zu Irritationen bei den Speakern führte, wenn sie auf ihre Folie verweisen wollten, diese aber gerade nicht zu sehen war.

Ich bin der Meinung, dass der Redner jederzeit die volle Kontrolle über seine Folien haben sollte. Das lässt sich mit einem solchen Mischbetrieb der Leinwand nicht vereinbaren - hier wäre eine zweite Leinwand vielleicht der bessere Ansatz gewesen.

Trotz des großen Raums wurde es während der Pausen vor allem im Catering-Bereich etwas eng. Und das, obwohl man auch noch die Flure vor dem Studio dazu nahm. An der Verpflegung selbst gab es aber nichts auszusetzen - es gab von allem reichlich, es gab kaum Warteschlangen und geschmeckt hat es auch.

Fazit

Schönes Event. Es war interessant, nicht nur mal ein anderes, sondern vor allem auch ein größeres TEDx zu erleben.

Die Größe ist aber auch etwas, das mich zum Nachdenken brachte. Mit (geschätzt) 400 Zuschauern verliert so ein Event dann auch schon ein bisschen an Charakter und die Chancen, eine bestimmte Person in dem Gewusel während der Pausen zu finden, schwinden deutlich. Wenn wir für Stuttgart eine "große" Lizenz hätten, würde ich wahrscheinlich dafür plädieren, trotzdem nicht mehr als vielleicht 200-250 Tickets zu verkaufen.

Creative Commons Licence "TEDxZürich" by Dirk Haun is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Licence.

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