Musik

Kristin Hersh in London

(Das Konzert war schon am 24. November)

Die dritte Folge in der diesjährigen Reihe "Konzerte mal anders" fand in einer Kirche statt. In einer Kirche mit einer Bar.

Kristin Hersh, die Crowdfunding für ihre Musik schon sehr viel länger betreibt als alle anderen, hatte sich zu Auftritten in Großbritannien und Irland angekündigt. Das europäische Festland blieb wieder einmal unbespielt, so dass ich nach London fliegen musste um sie zu sehen.

Eine Eintrittskarte hatte ich wieder nicht. Wie schon beim letzten Gastspiel der Throwing Muses hatte ich als langjähriger Unterstützter ("Strange Angel", wie Kristin ihre zahlenden Fans nennt) Anrecht auf freien Eintritt (nach Anmeldung). Das klappte dieses Mal auch reibungslos - mein Name stand auf der handschriftlich geführten Gästeliste.

Zunächst einmal hieß es aber Warten. Eine dreiviertel Stunde vor Einlass hatte schon ein Grüppchen von vielleicht 20 Fans vor der Kirche St. John on Bethnal Green eine ordentliche Schlange gebildet (wir sind ja in England). Es wurden bald mehr, und mir wurde kalt. Ungefähr hier fiel mir dann auf, dass es wohl eine dumme Idee gewesen war, unter der eh zu dünnen Jacke ein T-Shirt zu tragen, denn in der Kirche war es auch nicht viel wärmer. Zu meinen Mitbringseln von diesem kleinen England-Trip gehört daher auch eine Erkältung.

Punkt 19:30 Uhr, praktisch mit dem Schlag der Kirchturm-Uhr, war dann Einlass. Freie Platzwahl war angesagt, und obwohl ich mir noch ein Exemplar von Kristin's CD/Buch "Wyatt at the Coyote Palace" geholt hatte, reichte es noch für einen Platz in der ersten Reihe, etwas links von der Mitte.

Auf der Bühne (wenn man das so nennen darf) stand ein einsamer roter Stuhl, der mit seiner Rückenlehne ein wenig an einen Thron erinnerte. Rechts daneben zwei Gitarren, links daneben auf einem Tisch oder eher einer Kiste drei Bücher (Kristin's drei letzte CDs sind alle in dieser CD/Buch-Form erschienen). Dann war erst einmal wieder Warten angesagt.

Gegen halb neun erschien Kristin Hersh dann, setzte sich auf ihren Thron und spielte ohne weitere Begrüßung einen Song. Anschließend erklärte sie, dass es ein neuer gewesen sei, und dass sie sich oft wundere, warum die Leute neue Songs hassen würden.

Kristin, Singing Der weitere Ablauf des Abends war dann so, dass Kristin zwei oder drei Songs spielte, etwas aus einem der Bücher vorlas und dann noch ein paar Songs spielte. Dabei saß sie die ganze Zeit und benutze auch nur die eine der beiden Gitarren. Es war also alles etwas statisch. Die Abwechslung bestand in den Inhalten der Geschichten - mal lustig, mal merkwürdig - und den Songs, die einmal quer durch ihr Oeuvre gingen. Die mir unbekannten Songs habe ich mal der neuen CD zugeordnet (die ich noch nicht angehört habe), aber es gab auch viel bekanntes, wie etwa Your Ghost oder Mississippi Kite.

Irgendwann stand sie dann auf, bedankte sich artig und verschwand - nur um nach kurzem Applaus wieder zu erscheinen. Es gab noch zwei Songs als Zugabe, dann winkte sie kurz, verschwand, und nach gut anderthalb Stunden war es das dann.

Fazit: Schwierig. Es war nicht so ein "Train wreck" wie bei Cat Power, aber auch nicht so viel Publikums-Interaktion wie bei Amanda Palmer (dazu ist Kristin aber auch nicht der Typ). Es war irgendwo dazwischen. Gar nicht schlecht, aber durch das Setup (sitzendes Publikum und sitzender Künstler) und den fixen Ablauf (Song, Song, Lesen, Song, Song, ...) einfach etwas zu statisch.

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Empfangen am Dienstag, 03. Januar 2017, 11:02 Uhr

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