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Babylon 5 revisited

In den letzten Monaten habe ich mir noch einmal die komplette Fernsehserie Babylon 5 angesehen, dieses Mal auch komplett mit allen Filmen und Ablegern.

Hintergrund

Wem der Titel nichts sagt: Babylon 5 war eine Science-Fiction-Serie, die in den USA erstmals von 1994-1998 ausgestrahlt wurde. Namensgebend ist eine Raumstation, auf der sich in der etwa 200 Jahre entfernten Zukunft die Menschheit sowie diverse außerirdische Lebensformen auf neutralem Gebiet treffen, um Handel zu treiben, aber auch, um ihre Konflikte beizulegen.

Das Besondere an dieser Serie war, dass der Autor J. Michael Straczynski sie von vornherein auf 5 Jahre ausgelegt hatte. In dieser Zeit wollte er eine abgeschlossene Geschichte erzählen, wobei jede Season einem Jahr in in dieser Geschichte entspricht.

Und das macht es eben auch so reizvoll, sich die Serie noch einmal in Ruhe anzusehen. Denn so entdeckt man plötzlich bereits in den frühen Folgen Andeutungen auf Ereignisse, die erst einige Seasons später eintreten.

Leider hatten das Publikum und Produzent Warner Brothers nicht so viel Geduld mit der Serie - nach vier Seasons sollte sie schon beendet werden. Und so sahen sich die Macher gezwungen, den Inhalt von zwei Seasons in eine zu quetschen, um wenigstens noch die wichtigsten Teile der Geschichte zuende erzählen zu können. Mit dem Ergebnis, dass Season 4 besonders actionreich ausfiel, die Zuschauerzahlen stiegen - und Warner Brothers dann großzügig eine fünfte Season genehmigte. Doch da hatten die Autoren ja nun schon ihr Pulver verschossen, und so fällt Season 5 - insbesondere im Vergleich zur vierten - eher schwach aus.

Worum geht's?

Ich werde erst gar nicht versuchen, den Inhalt von fünf Seasons zusammenzufassen. Bei Babylon 5 geht es um die großen Themen: Gut gegen Böse, Krieg, Politik, Loyalität, Freundschaft und Liebe. Dabei sind die Grenzen nicht immer klar gezogen und viele der Charaktere machen im Laufe der Zeit einen zum Teil drastischen Wandel durch. Überhaupt sind viele der Hauptfiguren sehr gut gezeichnet - auch wenn man ihre Entscheidungen manchmal nicht verstehen kann, fühlt man doch immer mit ihnen. Besonders schön kann man das an der Entwicklung von Londo Molari und G'Kar sehen, die sich von Erzfeinden zu so etwas wie Freunden entwickeln, während sie sich parallel stark - aber glaubwürdig - vom Halodri über Staatsmann zur tragischen Figur (Londo) bzw. Krieger zum Philosophen (G'Kar) entwickeln.

Die Nebenhandlung, in der sich die Erdregierung zu einer Diktatur mit Anflügen von 1984 entwickelt (es gibt keine NSA, aber ein "Ministry of Peace" und ähnliche Orwellsche Sprachregelungen) wird wohl auch nie an Aktualität verlieren.

Streng genommen ist so Manches bei Babylon 5 eher Fantasy als Science Fiction. Bei der Technik hat man sich sehr um Realitätsnähe bemüht (und u.a. mit dem JPL zusammengearbeitet), aber hie und da kommen die Dinge schon etwas übernatürlich daher. Es wirkt aber nie aufgesetzt und muss zum Glück auch nur selten als "Deus Ex Machina" zur Rettung einer Folge herhalten.

Fast zwanzig Jahre nach Erstausstrahlung kann sich Babylon 5, meiner Meinung nach, immer noch sehen lassen. Darüber, dass sich die Computergrafik weiterentwickelt hat, kann man angesichts der guten Geschichten und der Charaktere getrost hinweg sehen.

Die Filme

Rund um die Kernserie gibt es auch noch eine Reihe von Filmen, die z.T. einfach zusätzliche Folgen in Spielfilmlänge sind und z.T. als Pilotfilme für geplante Ableger-Serien dienten. Erwähnung verdienen:

The Gathering (Die Zusammenkunft)

Dies ist der Pilotfilm zur Serie und unbedingt empfehlenswert. Manches Detail unterscheidet sich zwar von der Serie, angefangen etwa bei Delenns Kinn bis zur Kommandantin der Station, die danach nie wieder auch nur erwähnt wird. Doch gibt diese Pilotfolge schon den Ton und das Tempo der Serie vor.

In the Beginning (Der erste Schritt)

Der Titel hat wahrscheinlich schon so manchen verwirrt. Inhaltlich werden hier vor allem Ereignisse erzählt, die noch vor dem Pilotfilm spielen, jedoch enthält der Film auch sehr viele Spoiler und sollte unbedingt erst sehr viel später angesehen werden (ca. am Ende von Season 4).

Die Ableger

Wenn man so eine Geschichte über fünf Jahre hinweg plant, ergeben sich immer lose Enden und Nebenhandlungen. Einige dieser Aufhänger wurden zu Filmen verarbeitet, andere sollten gar für ganze neue Serien herhalten. Das hat aber nicht wirklich funktioniert.

Crusade

Am weitesten brachte es noch die Serie Crusade (mit dem Pilotfilm A Call to Arms, dt. Waffenbrüder). Ausgangspunkt ist hier, dass die Erde unter Quarantäne steht, da in der Atmosphäre ein Virus ausgesetzt wurde, das mutiert und in voraussichtlich fünf Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet haben wird. Auch diese Serie sollte wieder fünf Jahre laufen, wurde aber schon nach einer Season abgesetzt.

Zum Einen ist das verständlich, denn Crusade ist sehr viel episodenhafter und weniger strukturiert geraten als Babylon 5 (wozu auch eine gewisse Verwirrung über die "korrekte" Reihenfolge der gedrehten Episoden beigetragen hat). Andererseits ist es auch schade, dass man der Serie nicht mehr Zeit gegeben hat sich zu entwicklen (und den Schauspielern, ihre Rollen zu finden). Zum Vergleich kann man sich ja mal die erste Season von Star Trek: The Next Generation ansehen - auch da war noch nicht wirklich absehbar, wie gut sich die Serie letzten Endes entwickeln sollte.

Inhaltlich war, wie J. Michael Straczynski in den Audiokommentaren erklärt, auch gar nicht geplant, die Excalibur fünf Jahre lang nach einer Kur für die Krankheit suchen zu lassen. Diese sollte vielmehr schon im Verlauf der zweiten Season gefunden werden, danach sollte die Serie eine ganz andere Richtung bekommen. Andeutungen davon kann man, wenn man danach sucht, auch schon finden: Was war das eigentlich für ein fremdes Raumschiff, das Captain Gideons altes Raumschiff zerstört hat? Und welche Rolle spielen eigentlich diese - auch in Babylon 5 gelegentlich schon erwähnten - Mega-Corps, z.B. Interplanetary Expeditions?

Tja, das werden wir dann wohl nicht mehr erfahren.

Andere gescheiterte Ansätze

Legends of the Rangers (Legende der Ranger) sollte der Pilotfilm für eine Serie über die Rangers werden. Hier kann man wohl nur froh sein, dass daraus nichts wurde. Die Rangers, die in diesem Film zu sehen sind, unterscheiden sich nämlich schon sehr stark von denen, wie sie in Babylon 5 eingeführt wurden. Der Film hat auch nur ausnahmslos schlechte Kritiken bekommen.

Mit den Lost Tales (Vergessene Legenden) wollte man dann noch eine Reihe von Direct-to-DVD-Filmen drehen. Geblieben ist es bei einem. Inhaltlich sind es eigentlich zwei unabhängige Geschichten, die da - nacheinander - erzählt werden. Nett, wenn man einfach "mehr" aus dem Babylon 5-Universum sehen will, aber wirklich Neues tragen sie nicht mehr bei.

Empfehlung

Wer sich Babylon 5 mal ansehen will, dem sei folgendes Subset zum Einstieg empfohlen (danach kann man immer noch entscheiden, ob man beim nächsten Durchgang den Rest auch noch hinzunehmen will):

  • den Pilotfilm, The Gathering
  • die kompletten Seasons 1-4
  • die Episode The Fall of Centauri Prime aus Season 5
  • den Film In the Beginning
  • die letzte Episode aus Season 5, Sleeping in Light

Erfreulicherweise finden sich in den ersten drei Seasons kaum Füller-Folgen (in Season 4 war dafür ohnehin kein Platz). The Fall of Centauri Prime braucht man, um das Umfeld von In the Beginning einordnen zu können, und die allerletzte Episode ist einfach ein schöner nostalgischer Abschluss der Serie.

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Andere haben folgendes über 'Babylon 5 revisited' geschrieben:

Emily Jane White im Laboratorium - Dirks Hirnableiter
[...] dann auch noch ein, an wen mich Emily Jane White rein optisch erinnert: An Lyta Alexander (Patricia Tallman) aus Babylon 5 . Eine gewisse (telepathische?) Kontrolle über das Publikum hat sie ja schon - es ist sehr diszipliniert, bemüht sich, [...] [mehr]
Empfangen am Sonntag, 08. Februar 2015, 10:01 Uhr

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