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Das erste TEDxHeidelberg, "Overcoming Boundaries"

Als ich mich damals dem Team anschloss, das gerade begonnen hatte, das erste TEDx in Stuttgart zu organisieren, hatte ich noch kein anderes TEDx-Event besucht. So viele gab es ja auch noch gar nicht, vor allem nicht in der Gegend. Das hat sich mittlerweile geändert und wir bemühen uns auch ein bisschen um Kontakte und gegenseitigen Austausch. Unsere TEDx-Buchstaben waren z.B. schon bei TEDxBodensee und beim ersten TEDx in Tübingen.

Jetzt stand dann das erste TEDx in Heidelberg an und ich hatte mich einfach mal um ein Ticket beworben (schon gleich ein Unterschied zu unserem Ansatz, denn in Stuttgart geben wir einfach die Tickets in den freien Verkauf) und wurde auch genommen.

Die Location war schon einmal eine gute Wahl: Das Print Media Haus liegt in Heidelberg direkt gegenüber dem Hauptbahnhof und macht schon von außen einiges her. Die abstrakte Pferde-Statue vor dem Eingang tut ein Übriges dazu. Der eigentliche Saal befindet sich innerhalb des Gebäudes in einer Art roten Halbkugel, despektierlich "Tomate" genannt. Schick, modern und ein bisschen anders.

Auch das Drumherum war sehr gut vorbereitet. Es gab Freigetränke (Kaffee und Softdrinks), in der ersten Pause Häppchen und Kuchen, in der zweiten Pause gar warmes Essen und nach dem Ende der Vorträge eine kleine After-Show-Party mit DJ und dann auch alkoholischen Getränken (die dann gegen Bezahlung). Dadurch, dass das Kern-Event (rund um die Vorträge) von 14 bis 20 Uhr angesetzt war, fand das auch alles in einer recht entspannten Atmosphäre statt.

Das Motto des ersten TEDxHeidelberg war "Overcoming Boundaries". Wir wurden auf Englisch durch das Programm geführt, ein Teil der Talks war aber auch auf Deutsch.

In der ersten Session fanden sich schon gleich mehrere sehr gute und interessante Vorträge. Mareike Hachemer machte sich Gedanken über ihren Berufsstand, den des Lehrers. Hängen geblieben ist bei mir ihre Überlegung, dass sie davon ausgeht, im Jahr 2050 noch zu unterrichten, was dann heißt, dass ihre Schüler im Jahr 2100 noch im Arbeitsleben stehen. Dabei kann man sich doch heute noch gar nicht vorstellen, wie die Welt im Jahr 2100 aussehen wird. Was soll man diesen Schülern beibringen?

Dr. Eike Wenzel hat mich ein wenig an Gunter Dueck erinnert, war aber zum Glück in seinem Vortrag deutlich strukturierter. Sein Thema sind die "Megatrends", und für das TEDxHeidelberg hatte er sich die Änderungen in der Demographie herausgegriffen. Was ich mitnehme: Man soll Menschen nicht nach ihrem Alter einstufen, sondern in welcher Lebensphase sie sich gerade befinden (die eben nicht mehr unbedingt mit dem biologischen sondern nur noch mit dem gefühlten Alter korreliert).

Warum lädt man einen Fashion Designer aus Israel zu einem TEDx-Talk ein? Der Vortrag von Merch Mashiah nahm eine unerwartete Wendung, als er davon zu erzählen began, wie er erblindete. Und er ist es immer noch, was bis zu diesem Moment niemand im Publikum ahnen konnte, denn er verzichtet bewusst auf Hilfsmittel wie einen Blindenstock. Ein bisschen hat mich der Vortrag an den bekannten TED-Talk von Jill Bolte Taylor erinnert. Und, wenn man das so sagen darf, den Organisatoren ist mit diesem Speaker ein großer Coup und eines der Highlights des Events gelungen.

Nach der ersten Pause gab es eine Tanz-Performance von Julia Headley zum Event-Motto "Overcoming Boundaries". Zunächst nur als Video, dann auch live auf der Bühne. Das ist jetzt das dritte Mal in diesem Jahr, dass mir eine Tanz-Performance bei einem TED- bzw. TEDx-Event positiv auffällt. Ich verstehe nichts vom modernen Tanz, finde es aber faszinierend, zuzusehen. Manchmal flackert ein kleines bisschen Erkenntnis oder Einblick auf, doch dann wird es gleich wieder rätselhaft. Die Performance war recht lang, aber nicht langweilig (jedenfalls nicht für mich - zwei Reihen vor mir fand jemand sein Smartphone interessanter). "Dance" kommt auf die To-Do-Liste für das Speaker-Team beim TEDxStuttgart ...

Erwähnenswert ist auch noch der Vortrag von Melanie Schütze über den Stand der Gleichberechtigung. Hinterher habe ich im Vorbeigehen einen Mann sich darüber beklagen gehört, dass sie doch zu sehr auf den Männern rumgehackt hätte. Das fand ich aber gar nicht. Der Vortrag war "anklagend" in dem Sinne, dass er die Realität noch einmal klar und deutlich zur Sprache gebracht hat: Frauen sind noch immer nicht gleichberechtigt. Punkt. Vieles ist besser geworden, manches ist auch schon gut, und in anderen Ländern ist es z.T. noch schlechter. Trotzdem haben wir hierzulande, alles in allem, keine Gleichberechtigung. Das muss einfach (Grüße auch an den o.g. Herrn) immer wieder klar gemacht werden, sonst denken wir zu leicht, dass schon alles gut wäre und es bewegt sich nichts mehr.

Es gab noch zwei etwas schwächere Vorträge sowie zwei, die ich schlicht nervig fand (und die beiden Speaker hatte ich schon einmal bei einem anderen Event gesehen). Das mag aber, vor allem bei den beiden letztgenannten, persönlicher Geschmack sein.

Alles in allem was das erste TEDxHeidelberg aus meiner Sicht ein gelungenes Event. Viele gute Speaker, tolle Location, vom Ablauf her entspannt, gut organisiert. Da kenne ich TEDx-Premieren, die weniger professionell abliefen (hüstel). Offenbar hofft man, in Heidelberg nächstes Jahr schon mit der "großen" TEDx-Lizenz an den Start gehen zu können, wodurch dann die Beschränkung auf 100 Zuschauer fallen würde. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Team auch ein größeres Event erfolgreich stemmen kann.

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