Politik

Die Stuttgarter OB-Wahl und ein Abgesang auf die so genannten Medien

Beim zweiten Wahlgang zum Oberbürgermeister (OB) von Stuttgart konnte man wieder einmal schön sehen, dass man die so genannten traditionellen Medien, also Fernsehen und Tageszeitungen, auch für diese Art Berichterstattung nicht mehr braucht.

Um 18 Uhr hatte ich noch, mehr aus Gewohnheit, SWR eingeschaltet. Schnell wurde aber klar, dass man dort nichts zu berichten hatte. Daran, Exit-Polls durchzuführen, hatte wohl auch niemand gedacht. Also Fernseher aus und Twitter an - unter dem Hashtag #obs12 gab es die tatsächlichen Nachrichten zu lesen. Dickes Lob auch an die Stadt Stuttgart, deren Website die Ergebnisse in nahezu Echtzeit auflistete und die mit dem großen Ansturm relativ problemlos zurecht gekommen ist.

Um 18:19 Uhr lagen die ersten Zahlen vor, gut eine Stunde später war die Sache durch - alle Wahlbezirke ausgezählt und die Ergebnisse konnte man im Detail online nachlesen. Den Fernseher hatte ich nicht wieder eingeschaltet, aber Kommentaren auf Twitter konnte man entnehmen, dass der SWR währenddessen lieber Folklore und Serien zeigte. Die beiden Stuttgarter Tageszeitungen waren bei dem ganzen auch keine Hilfe - deren Twitter-Accounts posteten nur Zahlen, die man auch selbst auf der Wahlseite der Stadt Stuttgart nachlesen konnte.

Ihr Stärken könnten die alten Medien jetzt noch ausspielen, indem sie Hintergrundinfos liefern (aber welche sollten das hier noch sein?) oder Meinungen einholen. Aber dazu müsste man bereit sein, bei dem einen oder anderen Politiker auch mal etwas hartnäckiger nachzuhaken. Das hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert (nach jeder Wahl gibt es nur Sieger, und kein Journalist traut sich, diesem Gefasel mal entgegen zu treten) - hat sich da in letzter Zeit etwas geändert? Wohl kaum, das hätte sich herumgesprochen. Also kann ich den Fernseher auch in Zukunft ruhig ausgeschaltet lassen und mir die Infos online, direkt von der Quelle, holen und meine eigenen Schlüsse ziehen.

Und die Tageszeitungen? Ditto. Die können dafür mal wieder ein paar Seiten mit einem Thema füllen - in der StZ sind das heute alleine wieder 5 Seiten plus den größten Teil der Titelseite. Bei einer Bundes- oder Landtagswahl kämen dann noch mehrere Seiten mit den Ergebnissen der einzelnen Wahlkreise dazu. Nicht, dass die wirklich jemand alle ansehen würde, aber jeder einzelne Bürger will natürlich wissen, wie "sein" Wahlbezirk abgestimmt hat.

Zeitverschwendung, Platzverschwendung, Geldverschwendung. Schade drum. Nicht, dass Twitter nun der optimale Ersatz für Fernsehen und Zeitung wäre. Dort wird viel polemisiert, polarisiert und gelegentlich auch mal getrollt (mit Provokationen und absichtlichen Falschmeldungen). Dafür ist man da aber auch schneller informiert und einfach näher am "richtigen" Leben, zumindest des netzaffinen Teils der Bevölkerung. Der Rest guckt noch Fernsehen und liest Tageszeitung. Noch.

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