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Der Maschinen-Mensch in Metropolis, oder: Warum bewegen sich Roboter eigentlich wie Roboter?

Es ist schon eine Weile her, dass ich Metropolis gesehen habe. Also das, was man bis vor Kurzem noch für den Film hielt. Ich habe mir nämlich die DVD mit der Rekonstruktion aus dem Jahr 2010 schenken lassen die, dank der wieder aufgefundenen Szenen, nun einen ganz anderen Film zeigt. Aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes Mal etwas.

Eine Szene, die mich fasziniert hat, ist die, in der Rotwang (der Erfinder) dem "Herrn" über Metropolis, Joh Fredersen, zum ersten Mal den Maschinen-Menschen vorstellt. Dies ist nur eine von drei insgesamt doch recht kurzen Einstellungen, in denen dieses wohl bekannteste Element des Films zu sehen ist - und die einzige, in dem sich die Maschine auch bewegt. Es ist die Art, wie sie sich bewegt, die mich so fasziniert.

Wir sehen die Maschine zunächst auf einer Art Thron sitzen. Anfangs bewegt sich gar nichts und Rotwang muss Fredersen schon mit einer Geste beschwichtigen und bitten, abzuwarten. Dann bewegen sich zunächst nur die Hände - von den Oberschenkeln auf die Lehnen des Throns. Und schon diese kleine Bewegung ist alles andere als maschinen-artig sondern vielmehr flüssig und menschlich.

Dann steht die Maschine auf und schreitet auf einer Art Laufsteg auf die beiden Männer zu. Die Bewegung ist anmutig - ja man kann sogar eine Andeutung von Hüftschwung erkennen - und ganz und gar nicht künstlich, was in starkem Gegensatz zum stilisierten Äußeren der Maschine steht und vielleicht auch gerade deshalb so überraschend kommt.

Ich meine, warum müssen Roboter sich in Filmen immer auch wie Maschinen bewegen? Ungelenk, abgehackt, eben künstlich und unnatürlich. Ein Vergleich mit C-3PO, dem bekannten goldenen Roboter aus Star Wars, drängt sich auf: Dieser lässt zwar ständig äußerst menschliche Sprüche ab, stakst aber durch die Filme, wie es eben ein Roboter tut. Oder vielmehr, wie wir es von Robotern erwarten würden.

Sobald Roboter in Filmen menschliche Formen annehmen, bewegen sie sich dagegen wie Menschen - siehe Bladerunner, Alien, Terminator, oder die Neuverfilmung von Galactica. Und wenn sie ihre menschliche Form einmal verlieren sollten, bewegen sie sich sofort wieder wie Maschinen - siehe Terminator.

Dabei ist es doch nur logisch, dass ein künstlicher Mensch sich von vornherein auch wie ein Mensch bewegt. Aus irgend einem Grund hat sich bei uns aber die Erwartung festgesetzt, dass etwas, das künstlich aussieht, sich auch un-menschlich bewegen muss.

Metropolis hat vielen anderen Filmen als Anregung gedient (dem erwähnten Bladerunner etwa), aber mir ist kein anderer Film bekannt, in dem sich eine optisch als solche zu erkennende künstliche Lebensform trotzdem natürlich bewegt. Warum eigentlich nicht?

(Screenshot der beschriebenen Szene von der Metropolis-DVD)

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