Musik

"Helene"

Es war ein Verlegenheits-Download. Am Ende des Monats hatte ich in meinem Download-Kontingent bei eMusic noch einen Song übrig - und keine Idee, was ich mir herunterladen sollte. Glücklicherweise hilft hier die eMusic-Community gerne weiter: Ein User hatte genau für diesen Zweck eine Liste von Alben zusammengestellt, die nur einen oder zwei Titel enthalten.

Nach der Durchsicht der Liste fiel meine Wahl auf "Helene" von HollAnd Borthwick. Das Album besteht aus einem (gleichnamigen) Track mit stolzen 38:58 Minuten Spielzeit. Für 25 US-Cent also ein echtes Schnäppchen.

Danach passierte erst einmal eine Weile gar nichts. Ich hatte zwar mal kurz in das Stück reingehört, aber soviel Zeit am Stück hatte ich nicht übrig.

Eines schönen Abends spielte ich es dann doch endlich. Es war Nacht, ruhig, auch im Raum nicht sehr hell, und aus den Lautsprechern kamen diese hypnotisch-beruhigenden Klänge - und da dämmerte es mir, dass ich einen Glückstreffer gelandet hatte.

"Helene", das sei vorweg gesagt, ist ein sehr merkwürdiges Stück. Zu hören gibt es eine akustische Gitarre, die immer und immer wieder die zwei gleichen Melodiefetzen spielt (mal den einen, mal den anderen), ein paar Loops und elektronische Geräusche - und dann ist da diese Stimme. Eine Frauenstimme rezitiert einen Text, der ein Gedicht sein könnte - oder vielleicht auch nicht. Mal spricht sie über die Musik, mal ist nur ihre Stimme zu hören, zeitweise auch nur Stille.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich darauf kam, an was mich die Stimme erinnert: An einige der frühen Werke von Laurie Anderson. Auch dort ist manchmal nur ihre Stimme zu hören - oft bricht auch die Musik ab, während sie weiter spricht. Der gleiche Effekt ist auch auf "Helene" zu hören.

Trotz der Brüche und Wechsel nervt "Helene" nicht. Ja man kann es sogar nebenher hören und die eigene Aufmerksamkeit in das Stück ein- und wieder auftauchen lassen und so dem Song ein Stück weit auch eine eigene Struktur aufprägen.

Den Sinn des Stückes vermag ich nicht auszumachen. Ebensowenig, nach welchen Regeln die Unterbrechungen und Brüche eingefügt wurden. Ich finde, man muss sich einfach auf dieses Stück einlassen. Dann aber ist es, zumindest eine Zeit lang, das Schönste, was man je gehört hat.

Creative Commons Licence ""Helene"" by Dirk Haun is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Licence.

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